Lizenzen fürs Online-Streaming von Gottesdiensten

(Stand: Juli 2021)

Grundsätzliches

Die Rechte zur Wiedergabe und Verwendung von Liedern werden in Deutschland meist zentral von der GEMA und ähnlichen Lizenzverwaltern verarbeitet. Über den Verkauf von Lizenzen verdienen Künstler:innen Geld. Die korrekte Behandlung ihrer Rechte liegt damit im Interesse der Kirchen, die ja zur Wahrung des Kulturgutes und zur Weiterentwicklung der Kirchenmusik beitragen wollen. Durch die zentrale Bündelung von Lizenzen ist die Bearbeitung für Kirchengemeinden vereinfacht. Zusätzlich haben die großen Dachverbände – die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) und der VDD (Verband der Diözesen Deutschlands) Rahmenverträge mit den wichtigsten Lizenzanbietern geschlossen, sodass sich einzelne Gemeinden zunächst um relativ wenig kümmern müssen.

Nicht abgedeckt waren von solchen Rahmenverträgen vor der Pandemie aber Lieder, die bei Gottesdiensten und Veranstaltungen verwendet wurden, die online gestreamt werden sollten. Die Corona-Pandemie hat hier zu einer Verschiebung der Lage geführt, sodass die wichtigsten Lizenzanbieter zunächst bis 12/2022 Streamingrechte in die Rahmenverträge eingearbeitet haben. Akut besteht daher relativ wenig Handlungsbedarf – dennoch muss mit den Liedrechten auch zukünftig achtsam umgegangen werden. Prinzipiell sind auch Klagen und Geldstrafen denkbar. Auch moralisch ist die Verwendung von Liedgut ohne Zustimmung der Rechteinhaber als geistiger Diebstahl zu werten.

Die Rechtewahrer in Deutschland sind konkret:

  • für ein breites Repertoire “klassischer” Gottesdienstlieder, etwa das katholische “Gotteslob” oder das evangelische “Gesangbuch”: GEMA

  • für Liedtexte/Noten “klassischer” Gottesdienstlieder: VG Musikedition

  • für moderne christliche Lobpreis-Lieder: CCLI

Zu unterscheiden sind daher aktuell die Art der verwendeten Medien (klassisches Liedgut, Lobpreis, Noten und Texte) und die Art der Veranstaltung (Gottesdienst oder Konzert/Gemeindeveranstaltung).

Verwendung von “klassischen” Kirchen-Liedern im Online-Gottesdienst

Gottesdienste sind aktuell relativ unproblematisch zu streamen. Grundsätzlich gilt folgendes:

  • Gottesdienste, die über YouTube gestreamt werden, unterliegen dem eigenen Rahmenvertrag, den YouTube mit der GEMA geschlossen hat.

  • Gottesdienste, die über eigene Websites oder andere Anbieter gestreamt werden, unterliegen den Rahmenverträgen der Kirchen. Bis 12/2022 ist in diesen Rahmenverträgen vorgesehen, dass alle Liedstücke, die beim Gottesdienst vor Ort gesungen werden dürfen, auch im Online-Gottesdienst verwendet werden können. Die GEMA-Rahmenverträge decken dabei einen Großteil des Liedgutes des evangelischen Gesangbuches und des katholischen Gotteslobs ab. Das verwendete Repertoire muss vor dem Gottesdienst nicht an die GEMA gemeldet werden – eine kurze Prüfung auf außergewöhnliche Lieder, deren Rechte möglicherweise nicht von der GEMA gehalten werden, ist trotzdem sinnvoll.

Lieder bei anderen Gemeindeveranstaltungen

Für Kirchenkonzerte in evangelischen und katholischen Gemeinden gelten strengere Regeln: Konzerte mit Ernster Musik, Gospel oder Neuem Geistlichen Liedgut sind von der GEMA abgedeckt, insofern sie in deren Liedrepertoire fallen. Dennoch müssen die Liedlisten angegeben werden (über das GEMA-Online-Portal).

Im Rahmenvertrag erlaubt und damit nicht meldepflichtig sind (sofern nicht als Tanzveranstaltung oder mit Eintritt/Spende finanziert):

  • 1 Pfarr-/Gemeindefest jährlich

  • 1 Kindergartenfest jährlich pro KiTa

  • 1 adventliche Feier mit Tonträgermusik jährlich oder

  • 1 adventliche Feier mit Livemusik, sofern die Ausübenden/Auftretenden nicht-gewerbliche Musiker sind

  • 1 Seniorenveranstaltung mit Tonträgermusik monatlich

Abbildung von klassischen Liedtexten und Noten im Online-Stream

Ähnlich zu behandeln ist die Darstellung von Noten und Liedtexten in Online-Streams. Für die klassischen Gottesdienst-Lieder ist der Rechtewahrer hier die sogenannte VG Musikedition. Diese erlaubt aktuell das unbegrenzte Einblenden von Liedtexten und Noten in Streams (die alte 72h-Regel gilt hier also nicht mehr). Dabei sind die Copyrights mit den Liedtexten einzublenden. Die Erstellung von downloadbaren Liedblättern ist nicht gestattet.

Verwendung von Lobpreis-Liedern in Online-Gottesdiensten

CCLI bietet unterschiedliche Lizenzen für Lobpreis-Lieder an. Anders als mit der GEMA und der VG Musikedition gibt es keine Rahmenverträge, sodass jede Gemeinde, die entsprechendes Liedgut verwenden will, selbstständig die Lizenzen bei CCLI kaufen muss.

Die CCLI-Lied-Lizenz, die in einigen Gemeinden für Gottesdienste “vor Ort” vorliegt, gilt allerdings nicht für das Online-Streaming. Dafür muss extra eine CCLI-Streaming-Lizenz, die eine Erweiterung der CCLI-Lied-Lizenz ist, erworben werden. Für die Einblendung aufgenommener Lobpreis-Musik (z.B. von Hillsong united o.ä.) ist zudem eine sogenannte CCLI-Plus-Lizenz nötig.

Die CCLI-Lied-Lizenz erlaubt die Verwendung von Liedtexten im Gottesdienst; das Einblenden von Liedtexten in Online-Streams ist ebenfalls durch die CCLI-Streaming-Lizenz abgedeckt.

Was ist jetzt zu tun?

  • Für einen Gottesdienst, bei dem sie klassische Gottesdienstlieder verwenden wollen – ob online oder offline – prüfen Sie aktuell nur kurz, ob die verwendeten Lieder zur GEMA gehören müssten. Die zugehörigen Liedtexte können Sie im Stream einblenden, solange sie kein downloadbares Notenblatt erstellen.

  • Für einen Gottesdienst, bei dem Sie Lobpreis-Lieder verwenden wollen, benötigen Sie eine CCLI-Lizenz. Kaufen Sie dazu, falls nicht vorhanden: für Gottesdienste ohne Stream die CCLI-Lied-Lizenz und für online-Gottesdienste zusätzlich die CCLI-Streaming-Lizenz.

  • Für weitere Gemeindeveranstaltungen geben sie eine Liedliste über das Online-Portal der GEMA ab – viele Veranstaltungen, etwa Seniorennachmittage oder Gemeindefeste sind – gemäß der obigen Liste – bereits abgedeckt und damit für Sie kostenfrei.

Alle Angaben ohne Gewähr